Die Entstehung

Der Silbersee aus Satelitenansicht



Ein Leben lang mit dem Kies verwachsen

Werner Scheidweiler blickt zurück in die Anfänge des Abbaus im Engerser Feld
Engers. Einen legendären Goldschatz hat Werner Scheidweiler nie aus dem Silbersee geborgen. Doch die Kiesgrube im Engerser Feld hat von Anbeginn sein Leben geprägt und prägt heute auch sein Rentnerdasein.

Den ehemaligen Arbeitsplatz aber hat Werner Scheidweiler zu einem kleinen Paradies umgewandelt, wie man seinesgleichen nur schwerlich findet. Und so ist der Silbersee insgesamt zu einer Schatzinsel geworden - zu einer Insel der Ruhe in der Hektik unserer Zeit.

Die Geschichte beginnt beinahe wie eine aus dem Erdöl-Wunderland Texas. Großvater Jakob Scheidweiler, "einer der kleinsten Bauern in Engers", wie Enkel Werner sagt, stieß um die Jahrhundertwende beim etwas tieferen Graben im Feld auf Kies. Damit war man aber nicht über Nacht ein gemachter Mann. Die Kiesausbeute wurde zunächst nur zu einem kleinen Zubrot.

Neben der Landwirtschaft betrieb Jakob Scheidweiler nämlich ein bescheidenes Fuhrunternehmen, das die unterschiedlichsten Güter - damals vorwiegend in Fässer verladen - durch das Neuwieder Becken hin- und hertransportierte.

Nach dem ersten Weltkrieg ging es dann mit Kies doch erfreulich bergauf und Sohn Ferdinand trat in das Unternehmen ein. Sichtbar wurde der Aufwärtstrend dann vor allem, als Anfang der 20er Jahre die Firma Scheidweiler mit dem ersten motorisierten Lastwagen, den es in Engers gab, ihre Geschäfte besorgte. "Besorgen wollte, muss man im Nachhinein sagen", berichtet Werner Scheidweiler. Denn das Auto erwies sich als ewig reparaturbedürftiges Vehikel, das mehr Kosten verursachte als Nutzen brachte. Und so stieg man der Not gehorchend wieder aufs Pferdefuhrwerk um. Um die "Autopleite" zu bezahlen, verdingten sich Jakob und Ferdinand Scheidweiler zeitweise unter anderem auch als Müllkutscher für die Gemeinde.

1938 dann der "große Boom"

In Koblenz wurden zahlreiche Kasernen gebaut und Kies wurde in großen Mengen gebraucht. Dem schnellen Aufschwung folgte aber ebenso der rasche Niedergang durch den Zweiten Weltkrieg.

Doch der Wiederaufbau nach dem Krieg bescherte den kleinen und großen Kiesgruben- unternehmern traumhafte Zeiten. Auch der Firma Scheidweiler, in der mittlerweile auch Enkel Werner seine Zukunft sah.

Förderband und maschinelle Schrapper statt Pickel und Schaufel. Schließlich wurde sogar ein Schwimmbagger angeschafft; durch schrittweise Zukäufe war das Gelände auf fünf Hektar angewachsen.

So schien es munter weiterzugehen; doch dann kamen erneut schmerzliche Rückschläge. Ein verheerendes Hochwasser setzte 1983 den gesamten Maschinenpark und die Lager unter Wasser. Das Unternehmen, das sich nur schwer erholte, verlor viele Kunden und wurde - kaum, dass man wieder so richtig Land sah - von einem neuen Unheil getroffen:

In der Nacht zum 27. November 1987 wurde von Unbekannten der Schwimmbagger versenkt.
Wer, wo, was?
Nichts davon kam ans Tageslicht!

Das endgültige Aus, sprachen dann die Behörden ab 1989 sozusagen in Raten.

Zunächst wurde die Kies-Ausbaggerung unter Wasser verboten, dann auch die Trockenauskiesung. "Da fühlte ich mich wie vertrieben vom Silbersee", sagt Werner Scheidweiler. "Die paar Jahre bis zum Ruhestand brachte ich noch als Arbeitnehmer rum", sagt er. "Und nun verbringe ich meinen Ruhestand am Silbersee, der der Familie trotz allem ja noch immer gehört."

Der Silbersee ist heute ein kleines Erholungsparadies

Natur, Kunst und Entspannung - Ein erlebnisreicher Tag ist garantiert

"Wir müssen der Natur auch etwas zurückgeben, wenn wir ihr etwas genommen haben." Diesen Leitsatz hat Werner Scheidweiler schon von seinem Vater Ferdinand immer wieder gehört. Und das waren keine leeren Worte.

Schon 1948/49 wurden am Silbersee Bäume gepflanzt, als das Wort Rekultivierung noch weitestgehend unbekannt war. 50 Jahre alte Akazien stehen daher am See. "Akazien bilden ein festes Wurzelwerk und stabilisieren damit den Boden, spenden Schatten und liefern den Bienen reichlich Nektar", sagt Werner Scheidweiler.

Seit er im "Unruhestand" lebt, hat er es sich in erster Linie zur Aufgabe gemacht, das Gebiet rund um den Silbersee zu einem Refugium für Tiere und Pflanzen zu machen. Und die Menschen will er dabei keineswegs aussperren.

Kuckuck, Nachtigall und Pirol haben beispielsweise den Silbersee zu ihrer Heimat gemacht. Den Eisvogel kann man beobachten. Aber auch Raben gibt es hier und einen Reiher, der immer wiederkommt.

Dieser scheue Vogel hat seine Fluchtdistanz zu Werner Scheidweiler völlig abgebaut, reagiert sogar auf den Namen "Fritz", wenn er sein morgendliches Frühstück abholt.

Das Schwanenpaar "Jockel und Elsa" ist ohnehin zutraulich und Werner Scheidweiler litt mit den beiden, als ihr Gelege in diesem Jahr im Hochwasser versank.

Vielfältig wie die Vogel- ist auch die Pflanzenwelt, die man bei einem Spaziergang entdecken kann. Ein Spaziergang wird hier zum schieren Vergnügen, denn überall gibt es Sitzgelegenheiten und idyllische Plätzchen.

So "ganz nebenbei" ist nämlich Werner Scheidweiler auch Künstler, der dem Kunstkreis 75 Engers angehört.

Und seine Spezialität ist es, aus den Dingen etwas zu machen, die andere Leute wegwerfen.So hat er aus einer ausrangierten Wendeltreppe einen Fisch gestaltet. An anderer Stelle hat er aus alten Quadern ein kleines Amphitheater gebaut.

Gerade ist eine "Fred-Feuerstein-Höhle" im Werden. Immer mehr Gestalt nimmt zudem die "Simonsburg" an, ein romantisches Phantasiegebilde aus aufgefundenen Steinen, aus gesammelten Säulenfragmenten, Fenstersimsen und Türeinfassungen. Hier sind auch Fledermäuse heimisch geworden.
Unter dichten Bäumen hat Werner Scheidweiler ein spitzhütiges Iglu gebaut, in dem es im Sommer herrlich kühl und im Winter angenehm warm ist und für den sich schon Architekten interessiert haben.
Ein Clou aber ist das "Deutsche Eck" am Silbersee. Vor geraumer Zeit bekam der Künstler eine Fuhre Steine; Bruchstücke, wie sie anfielen als am echten Deutschen Eck in Koblenz Restaurierungsarbeiten durchgeführt wurden. Die hat Scheidweiler am Seeufer zusammengesetzt und sie mit einem Findling gekrönt. Auf diesen Findling will er nun statt des Kaisers den Neuwieder "Steckenpferdreiter" setzen. Damit soll an eine historische Begebenheit erinnert werden. In Neuwied-Heddesdorf gibt es ja seit Jahrhunderten den Brauch der Pfingstreiter, die zur ehemaligen Abtei Rommersdorf reiten. Dieser Brauch ist nie unterbrochen worden; auch dann nicht, als der "Besatzer" Napoleon ein Pferd als ein "Kriegsgerät" erklärte und dessen Einsatz verbot. Da ritt man eben per Steckenpferd nach Rommersdorf.

Nicht zuletzt sind es die Sinnsprüche, die Werner Scheidweiler überall angebracht hat, die für ein Schmunzeln sorgen. Einer davon trifft vielleicht besonders zu:

"Fühlst Du Dich mal nicht okay, entspanne Dich am Silbersee."


Bericht aus dem Kleeblatt vom 11.09.1999



Der Erbauer
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